...gläubig

Häufig gestellte Fragen - und mögliche Antworten der katholischen Kirche

Ist es nicht sehr überheblich, dass die Kirche sich für heilig hält?

 

Im apostolischen Glaubensbekenntnis bezieht die Kirche vier Eigenschaften auf sich.
Zunächst bezeichnet sie sich als eine Kirche: Es mag verschiedene Frömmigkeiten geben und verschiedene Gnadengaben; aber alle sind Ausdruck des einen Geistes und gehören in die eine Kirche.
Dann sagt die Kirche, sie sei heilig: Damit ist nicht die Fehlerfreiheit gemeint; tatsächlich haben Mitglieder aller christlichen Kirchen immer wieder Fehler begangen (immerhin bleiben die Menschen ja auch Sünder). Vielmehr meint heilig, dass die Kirche kein von Menschen gegründeter Verein ist («Ach, guck mal, wir glauben alles das gleiche, sollen wir uns nicht zusammen tun?»), sondern von Gott stammt und von ihm am Leben erhalten wird.

 

Wieso glauben wir an die "katholische" Kirche? Was ist mit der evangelischen Kirche?

 

Die dritte Eigenschaft, die sich die Kirche im Glaubensbekenntnis zuschreibt, ist die "Katholizität". Damit ist nicht die Abgrenzung gegenüber den protestantischen und orthodoxen Kirchen gemeint. "Katholisch" heißt "allgemein, allumfassend" und beschreibt die Kirche als unabhängig von Nationen und Kulturen. Im Gegensatz zum römischen, griechischen und jüdischen Glauben steht der "katholische" Glauben allen Völkern offen; dazu muss man noch nicht einmal die eigene Nation aufgeben. So gesehen sind auch die protestantischen Kirchen katholisch.
Die vierte Eigenschaft, "apostolisch" ist dann schon eher ein Gegensatz zu den Evangelischen. Wir glauben, dass maßgeblich für uns der Glaube der Apostel ist. Für die Evangelischen ist das Fundament der Kirche nicht der Apostelkreis, sondern Jesus Christus allein. Der katholische Glaube umfaßt daher auch noch viele "apostolische" Glaubenstraditionen, die nicht in der Bibel aufgeschrieben sind; der evangelische Glaube beschränkt sich allein auf die festgehaltene Schrift der Bibel.

 

Warum verweigert die katholische Kirche die Anerkennung der evangelischen Kirche in vollem Sinne als eine Kirche Jesu Christi?

 

Wir verweigern die Anerkennung nicht - sondern konstatieren nur. Wir können auch einer Katze nicht das "Hundesein" anerkennen, wenn sie schlicht kein Hund ist. Es handelt sich also nicht um einen Jurisdiktionsakt, sondern um eine Wirklichkeitsbeschreibung. (siehe die Katechese zum Absolutheitsanspruch der Kirche).

 

Wozu brauchen wir eigentlich den Papst?

 

Der Papst ist in der katholischen Kirche nur ein "Lückenbüßer". Eigentlich wirkt der Geist in der gesamten Kirche, in jedem von uns und (hoffentlich) auch in Dir. Aber manchmal gibt es Meinungsverschiedenheiten zwischen den Katholiken - und der eine spricht dem anderen den "Geist" ab. Deshalb gibt es in der Kirche ein "Unfehlbarkeits-Verbot": Keiner hat das Recht, einem anderen Katholiken als "gottlos" zu bezeichnen. Im Zweifelsfall muss halt einer entscheiden: Und das ist allein der Papst. Diese Entscheidung gilt dann als unfehlbar - beendet dadurch aber den Streit und die gegenseitige Verurteilung. Manfred Lütz hat (in seinem empfehlenswerten Buch "Der blockierte Riese") geschrieben, dass das der Unterschied ist zwischen den deutschen Stammtischen und der katholischen Kirche ist: In der katholischen Kirche ist nur einer unfehlbar.
Der Papst versieht also den Dienst der Einheit. Dazu muss er manchmal Irrtümer beim Namen nennen und davor warnen. Manchmal ist es seine Aufgabe, die Kirche wieder auf den richtigen Weg zurückzurufen (indem er z.B. zum Gebet oder zu besonderen Feiern aufruft). Alles das tut er als ein Dienst - ein Dienst an der Einheit der Gläubigen.
(Nicht umsonst gibt es zwar viele Gruppierungen in der katholischen Kirche, aber nur eine Kirche. Die protestantischen Kirchen haben sich dagegen weltweit in mehr als 20.000 verschiedene Denominationen aufgespalten).

 

Ist der Papst wirklich unfehlbar? Warum spielt er dann nicht ständig Lotto?

 

Ja, der Papst ist unfehlbar - aber nur in Glaubens- und Moralfragen. Also nicht im Lotto und auch nicht bei Günther Jauch. Und diese Unfehlbarkeit ist sehr eingeschränkt: Nicht jedes Mal, wenn der Papst vom Glauben spricht, verkündet er eine unfehlbare Lehre (ein Dogma). Sondern nur, wenn er eine bestimmte Formel benutzt. Tatsächlich hat der Papst seit 150 Jahren nur dreimal davon Gebrauch gemacht.

 

Wenn die Kirche den Beistand des Geistes hat - wieso dann die Kreuzzüge, die Inquisition, die Hexenverbrennug usw.?

 

Die Frage ist berechtigt. Wie zum Beispiel die Frage: Wo war der Heilige Geist, als ich gestern gelogen habe? Wo war der Geist, als letztens ein Katholik ein Kind überfahren hat?

Es ist halt so, dass der Geist uns nicht vor Sünden bewahrt - wir sind alle Sünder und bleiben es auch. Auch der Papst oder die Heiligen. Der Geist bewahrt die Kirche insgesamt (nicht den Einzelnen) vor der Irrlehre - nicht vor der Sünde. Das ist etwas anderes.

 

Hat die Kirche in der Geschichte nicht soviel Schlechtes getan, dass man an sie gar nicht glauben sollte?

 

Tatsächlich hat die christliche Kirche in der langen Geschichte vieles an Schuld auf sich geladen. Theologen unterscheiden zwar gerne zwischen der Kirche (die sie für schuldlos halten, weil sie "Leib Christi" ist) und den Mitgliedern der Kirche (die ja alle Sünder sind, auch der Papst; und die dann auch vieles getan haben, was sehr unchristlich ist. Das gilt übrigens bis auf den heutigen Tag - und auch für mich). Aber diese Unterscheidung ändert nichts dran, dass für viele die Kirche ihre Glaubewürdigkeit verloren hat.
Auf der anderen Seite soll die Kirche ja auch nicht angebetet und verherrlicht werden. Das wäre in der Tat unangebracht (und sogar verwerflich); vielmehr soll die Kirche ja nur die Vermittlung der Offenbarung und der Gnade Gottes vollziehen. Und das kann sie, auch wenn sie Schlimmes verursacht hat: Auch ein Priester zum Beispiel, der ein großer Sünder ist, kann anderen die Sünden vergeben und so Gnaden vermitteln. Auch ein Dieb kann überzeugt sein von der Göttlichkeit Jesu. Besser wäre es, wenn beide ihr Leben ändern würden - und tatsächlich gibt es in der kathoischen Kirche viele große und vorbildhafte Menschen. Aber selbst, wenn sie es nicht sind: Der Auftrag der Kirche, Gottes Botschaft durch die Zeiten zu tragen, hängt nicht von der Würdigkeit der Katholiken ab.


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